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Deutschland imponierte beim fabelhaften 4:1 gegen England. Die DFB-Elf legte ihre erste große internationale Reifeprüfung ab - und bestand sie summa cum laude. Es ist Löws Verdienst, die Spiellust gefördert zu haben. Darum sollte der Bundestrainer seine Aufgabe auch weiterführen.
Von Roland Zorn, Bloemfontein
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TeilenTwitter28. Juni 2010 Es war wie immer, wenn es zwischen den Nationalmannschaften dieser beiden Länder um viel geht: ein Spiel für die kollektive Erinnerung. 44 Jahre nach dem Wembley-Tor im Londoner Weltmeisterschaftsfinale 1966 gab es eine Art Doublette im fernen Bloemfontein – diesmal zugunsten der Deutschen und zum Nachteil der Engländer, die sich um so mehr beklagen konnten, weil der Ball eindeutig drin war.
Unglaublich, wie sich die Dinge im Fußball doch wiederholen können, solange der Internationale Fußball-Verband den Videobeweis nicht zulässt. Nicht einmal der Vorfall vom Sonntag ändert daran etwas – wie die Fifa umgehend per Pressemitteilung mitteilte.
Und noch etwas hat sich am Sonntag im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft wiederholt. Bei den Duellen Spitz' auf Knopf zwischen diesen beiden europäischen Fußball-Großmächten gewinnen seit 1966 immer die Deutschen. Diesmal imponierten sie bei ihrem fabelhaften 4:1 über England mit ihrer jungen, sehr entwicklungsfähigen Mannschaft gegen einen routinierten Widersacher, der kaum wusste, wie ihm geschah.
Wie Müller, Khedira, aber auch die erfahrenen Schweinsteiger und Klose die „Three Lions“ in dieser aus deutscher Sicht hochklassigen Partie durcheinanderschüttelten, war mehr als erstaunlich. Dabei hieß es vorher doch immer wieder, die Engländer mit ihrer größeren Routine seien bei einem solchen „Endspiel“ knapp im Vorteil. Tatsächlich legte die Elf von Bundestrainer Löw ihre erste große internationale Reifeprüfung ab – und bestand sie summa cum laude.
Verheißungsvollste Team des alten Kontinents
So viel spielerisches Potential wie dieses Team ohne den verletzten Kapitän Michael Ballack konnte schon seit Jahren keine erste Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes freisetzen. Es ist Löws Verdienst, die Spiellust seiner Leute nicht eingehegt, sondern, wenn auch mit einem gewissen Risikofaktor behaftet, nach Kräften gefördert zu haben. Was dabei herauskam, war über weite Strecken sehenswerter, direkter Kombinations- und Flachpassfußball.
Löw hat anders als bei der mit Platz zwei nur dem Ergebnis nach erfolgreichen Europameisterschaft 2008 erst bei der WM zwei Jahre später so richtig an Kontur gewonnen. Darum sollte er seine Aufgabe auch weiterführen, da diese deutsche Mannschaft noch lange nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen ist. Sie präsentiert sich in Südafrika als das verheißungsvollste Team des alten Kontinents und erinnerte am Sonntag an jene Elf, die 1972 als erste deutsche in Wembley 3:1 gewann und damit das Fundament für eine Mannschaft legte, die als die beste in der großen Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes gilt.
Hoffnung und Appetit auf noch mehr
Es wäre also überaus schade, wenn Löw aufgrund seiner Verstimmung rund um die im Winter geplatzte Vertragsverlängerung nach der WM einem Nachfolger Platz machte. Denn dies ist seine – demnächst um weitere Talente bereicherte – Mannschaft, und sie zeigt auf dem Platz von Spiel zu Spiel, dass sie mit diesem Coach und mit niemand anders weiter zusammenarbeiten möchte.
In Deutschland darf man sich heute schon auf das nächste „Endspiel“ im Viertelfinale am Samstag in Kapstadt freuen. Es ist, weil der Griff nach der Krone des Weltfußballs im Augenblick noch eine Spur verwegen anmutet, schon fast eine schöne Zugabe bei einem Turnier, das Hoffnung und Appetit auf noch mehr macht und dazu als Kompliment an den Ausbildungsbetrieb Bundesliga zu begreifen ist.
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